Nemetschek SE – Eine Krise ohne Ausweg?
Der deutsche Softwareanbieter, der in den letzten Jahren mit seiner breiten Palette von BIM‑ und Facility‑Management‑Tools ein solides Wachstum vorweisen konnte, steht heute vor einer wahren Katastrophe. Das Kursgeschehen in den letzten Tagen lässt keinen Zweifel daran, dass das Unternehmen im Abgrund steht: ein fast 50 %er Kursverlust, ein zerbrechlicher Widerstandsbereich und ein fortlaufender Abwärtstrend haben die Anleger in den Bann gezogen.
Technische Analyse: Ein Boden, der keine Stabilität bietet
- Kursniveau: 79,90 EUR (18 Jan 2026) – ein 12‑Monats‑Tief von 81,25 EUR (16 Jan) und ein Verlust von ca. 29 % seit dem 9. September 2025.
- Durchschnitte: Alle wichtigen gleitenden Durchschnitte (20/50/200 Tage) liegen weit über dem aktuellen Kurs. Das bedeutet, dass die Aktie im aktuellen Umfeld keinerlei „Bodenbildung" zeigt.
- Entspannungssignal: Das Überqueren des 20‑Tage‑Durchschnitts (91,21 EUR) wäre das erste klare Zeichen für eine Wendung, aber dafür müsste die Aktie um mehr als 12 % steigen – ein Hindernis, das die aktuelle Marktstimmung nicht zulässt.
Die technischen Indikatoren sind eindeutig: Der Abwärtstrend ist nicht nur fortlaufend, er wird von der Marktteilnehmerstimmung noch verstärkt. Ohne substanzielle operative Nachrichten – etwa neue Produktinnovationen, bedeutende Partnerschaften oder eine klare Restrukturierung – gibt es keine Anzeichen für eine kurzfristige Erholung.
Fundamentaler Druck: Bewertungskennzahlen im Rausch
- Marktkapitalisierung: 9,56 Mrd. EUR – trotz eines soliden Geschäftsmodells verliert das Unternehmen an Attraktivität, wenn die Aktie rund 46,8× das Kurs‑Gewinn‑Verhältnis (PE) trägt.
- Gewinnwachstum: Keine aktuellen Zahlen, die auf eine signifikante Besserung der Profitabilität hinweisen. Das hohe PE wird daher als „überbewertet" wahrgenommen.
- Liquidität: Der 52‑Wochen‑Low von 79,9 EUR steht auf dem aktuellen Schlusspunkt und zeigt, dass die Aktie nicht mehr über genügend Unterstützungsniveau verfügt.
In Zeiten, in denen das Gesamtmarktindex (MDAX, TecDAX) im Minus liegen und die Technologie‑ und IT‑Sektoren unter Druck stehen, wird das Gewicht der fundamentalen Daten immer wichtiger. Für Nemetschek SE bedeutet das: Jeder weitere Rückgang wird die Bewertung noch kritischer machen.
Management‑Konferenz: Eine Gelegenheit, die nicht genutzt wird
Die Vorstandssitzung in Frankfurt, auf die viele Investoren gewartet haben, bot keine konkreten operativen Hinweise. Das Management zeigte lediglich die bisherige Strategie an, ohne neue Impulse zu liefern. Diese fehlende Klarheit verstärkt das Bild einer stagnierenden Unternehmensführung, die keine klare Perspektive für die nächsten Quartale aufzeigt.
Markt‑ und Sektoreffekt: Die Bremsen der Indizes
- MDAX: 1,85 % unter, Gesamtmarktwert 373,923 Mrd. EUR – die Schwäche spiegelt sich auch im Unternehmen wider.
- TecDAX: 1,26 % unter, 569,766 Mrd. EUR – Technologieaktien verschlechtern sich, was Nemetschek, ein IT‑Softwareunternehmen, zusätzlich belastet.
Die Indizes zeigen einen allgemeinen Abwärtstrend, was die Risiken für ein Unternehmen wie Nemetschek, das stark im Technologie‑ und Baukonstruktionssegment verankert ist, weiter erhöht.
Fazit: Ein Abgrund ohne Retter
Die Kombination aus steigendem technischen Abwärtstrend, fehlender operativer Klarheit und einer Marktumgebung, die Technologieaktien abwertet, lässt keinen Raum für Optimismus. Ohne eine signifikante Veränderung in der Unternehmensstrategie oder im Produktportfolio ist ein Kursrally kurz davor, den Boden zu finden. Derzeit zeigt Nemetschek SE lediglich ein klares Bild: Ein Abfall, der weitergeht, wenn das Management keine dringenden, nachvollziehbaren Maßnahmen ergreift.




